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Geschichte des Seminarhauses Geschichte der Kapelle
Die Hirzbacher Marienkapelle ist der älteste Sakralbau im Hanauer Land. Wer die Kapelle erbaut hat, und warum sie hier steht, weiß man nicht.
Keltische und römische Funde weisen darauf hin, daß Hirzbach schon sehr lange besiedelt ist. Man vermutet, daß der frühromanische Kapellenbau aus dem 11. Jahrhundert stammt. Bei archäologischen Grabungen in den Jahren 1989 bis 1991 wurden die Grundmauern von zwei Vorgängerbauten (Fachwerk mit Steinsockel) gefunden. Vielleicht gehörte die Kapelle zu einem karolingischen Adelsgut, von dem es aber keine Spuren mehr gibt. Am 10. Oktober 1254 schenkte Graf Reinhard von Hanau die Kapelle samt dazugehörigem Kapellengut an den Antoniter-Orden, der im nahegelegenen Roßdorf ein Kloster und Hospital hatte. Obwohl die Roßdorfer Antoniter 1441 nach Höchst umzogen, gehörte ihnen das Anwesen mit Kapelle bis 1803, als der Orden aufgelöst wurde. Danach fiel es an das Haus Hessen-Kassel und ging kurz danach in den Besitz der Pächterfamilie über, deren Nachkommen es 1988 an Christoph Neizert verkauften.

Vielleicht im Zusammenhang mit der Schenkung stehend, wurde die Kapelle im 13. Jahrhundert umgebaut: der ursprüngliche Nord-Eingang wurde vermauert und die Öffnungen an der Westseite mit Spitzbogen versehen. Die Gewändesteine wurden mit einer Scheinquaderung übermalt, die jetzt noch im Gewände des Westfensters zu sehen ist.

Obwohl die Antoniter 1441 nach Höchst zogen, wurde zunächst die Tradition aufrechterhalten, wöchentlich zwei Messen in der Marienkapelle zu lesen. 1534 wird der vermutlich letzte Antonitergeistliche in Hirzbach erwähnt. In der Reformationszeit schloss sich die Grafschaft Hanau 1523 der neuen Glaubensrichtung an und spätestens 1549 war auch Marköbel evangelisch. 1566 wurde der katholische Gottesdienst in der Kapelle offizielle eingestellt, gleichzeitig wurde der protestantische Pfarrer in Marköbel dazu verpflichtet, dort eine wöchentliche (bald 14-tägige) Predigt zu halten. Nach dem 30-jährigen Krieg ging dann die Nutzung der Kapelle auf zwei Gottesdienste im Jahr zurück, zu Mariä Verkündigung und Mariä Geburt (offenbar fiel das mit den Markttagen zusammen).

In der Neuzeit ist die Baugeschichte der Kapelle eine Geschichte des stetigen Verfalls. Schon in einem Schreiben des Marköbler Pfarrers Heupelius aus dem Jahr 1609 heißt es, es stinke und steche darin wie in einem „saustal”. Zwischen 1615 und 1619 richten die „Underthenig gehorsame Underthanen zu Hirtbach” ein Bittgesuch an die Regentin Katharina Belgia, sie möge für die Reparatur der Kirche sorgen, weil sonst der 14-tägige Predigtgottesdienst womöglich wegfallen müsse. Besonders im Winter sei es nahezu unmöglich, die Kirche zu benutzen.

Im Jahr 1634 ging das alte Hirzbach bei einem Überfall einer Truppe schwedischer Soldaten in Flammen auf. Nur die Kapelle und zwei Scheunen blieben stehen. Obwohl es 100 Jahre dauerte, bis Hirzbach wieder die Bevölkerungszahl von 1634 erreichte, wurde die Kapelle schon 1668 mit einem neuen Schieferdach gedeckt. 17 Jahre später protestiert der Marköbler Kirchenvorstand dagegen, daß der Roßdorfer Präzeptor des dortigen Klosterhofes der Antoniter das „Schiefersteindach von diesen Kirchen abheben, die Schiefersteine nach Roßdorf führen lassen und hingegen versprochen hat, sie mit Ziegeln decken zu lasen, welches aber nicht geschah, sondern nur mit Stroh decken lassen, dadurch der gänzliche Ruin verursacht worden.” Weitere 10 Jahre später wird gemeldet, daß „nichts mehr alß das schadhaffte gemäuer noch stehet.”

Die Antoniter hatten offenbar kein Interesse, für den baulichen Erhalt der Kapelle zu sorgen, denn die Gottesdienste wurden ja von den evangelischen Geistlichen von Marköbel gehalten. Im April 1700 schreibt Pfarrer Jung an das Consistorium, „daß die letzt verstrichene Ostern, als sie den Gottesdienst in der Kirchen halten wollten, ein Stück der alten Mauer heruntergefallen und beynahe einige Leute erschlagen hätte. Weswegen sie auch den Gottesdienst abbrechen mußten.”

1705 bekommt die Kapelle endlich wieder ein Dach und die Eckverzahnungen werden erneuert, Fenster werden aber nicht eingesetzt. So ist die Kapelle schnell wieder in einem schlechten Zustand und erst 1746 wird dann das Gebäude ordentlich renoviert. Das ist die letzte Renovierung für lange Zeit, denn danach wird die Kapelle zur Feldscheune, angeblich findet 1840 der letzte Gottesdienst dort statt. Im 19. Jahrhundert wird ein Kartoffelkeller eingebaut, das Bodenniveau gehoben. 1905/1906 wird der Chor abgerissen, die Steine zum Straßenbau genutzt. Der farbig bemalte romanische Triumphbogen, der die Öffnung zwischen Chor und Hauptschiff trug, wird ins Hanauer Museum gebracht, wo er im 2. Weltkrieg einem Bombenangriff zum Opfer fällt (nur die Kapitelle und ein Sakramentshäuschen sind noch erhalten und lagern im Keller von Schloss Philippsruhe). Dank der Nutzung als Feldscheune bleibt aber das Hauptschiff erhalten, das 1974 unter Denkmalschutz gestellt wird.

1989 formierte sich der Förderverein Hirzbacher Kapelle e.V., der gemeinsam mit der Gemeinde, dem Kreis und den Denkmalschutzbehörden die Kapelle grundlegend renovierte. Der Hanauer Geschichtsverein führte archäologische Grabungen durch, deren Auswertungen jetzt in einer schönen Publikation vorliegen. Der neue Eigentümer übergab die Kapelle dem Verein unentgeltlich zur langfristigen Nutzung für kulturelle Zwecke. Es findet nun einmal pro Jahr ein ökumenischer Gottesdienst zu Himmelfahrt statt. Ausserdem bietet der Förderverein Hirzbacher Kapelle ein sehr weitgefächertes Kulturprogramm in der Kapelle an. Schliesslich werden in der Kapelle Taufen und Hochzeiten gefeiert.

Die Kapelle ist aber vor allem ein Ort der Stille.